Marokko Blogg
Rund um das Leben und Reisen in Marokko.
Persönliche Erfahrungsberichte im Aufbau.
Tankstelle ohne Benzin
Mit dem Mietauto unterwegs in das entlegenste Gebieten des hohen Atlasses. Nach ein paar Stunden Fahrt, blinkt das Benzinzeichen auf, fast zeitgleich sehr ich das erste größere Dorf erscheinen und kurz nach der Einfahrt auch eine Tankstelle. Toll! denke ich, problem solved. Doch leider hat die Tankstelle kein Benzin mehr und Diesel hilft mir nicht weiter. Ich parke in einem Wohnquartier und denke nach. Keine Ahnung, wo mein Weg entlangführt und wie weit entfernt die nächste Tankstelle liegt. Ebenso keine Ahnung, wie lange die Reserve meines Mietautos hält. Im Nachbarshaus tut sich was, ich stehen unter Beobachtung, doch ich verhalte mich still. Hier gibt es nicht viel zu sehen und jeder kennt jeden. Entsprechend fällt ein Autos von einer einzelnen Frau gefahren auf. Ein 16-jähriger Junge, der ein paar Wörter englisch spricht, wird zu mir gesandt. Was mein Problem wäre? Kurz darauf fahren wir zusammen zum Mechaniker, dort gibts eine Kanne Benzin für mein Auto. Wieder zurück zum Wohnhaus, wird zum Tee eingeladen. Sämtliche Frauen des Hauses kommen, um mich willkommen zu heissen. Ob ich nicht auch zum Essen bleiben will? Kommunikation ist schwierig, da hier einheimisches Tamazirt (Berber) gesprochen wird. Also wird die in Deutschland lebende Tante angerufen, um zu vermitteln. Ob alles gut sei mit mir? Ob ich mehr oder anderes Essen brauchen würde? (Ich hatte seit Wochen nicht mehr so gut gegessen!) und ob ich nicht hier in der Familie übernachten möchte? Da ich eigentlich weiter Reisen wollte, wurde die Tante noch dreimal angerufen, bis ich schliesslich zur Übernachtung einwilligte.
Je abgelegener das Gebiet, desto höher die Gastfreundschaft.
Freude finden braucht Zeit
Ich war im Handwerkergebiet des Bab Lkhmis unterwegs, auf der Suche nach einem Schreiner. Der Erste den ich ansprach, führte mich wortlos zu einem anderen. Dieser hiess mich willkommen und fragte was ich den suchte. Nach einigen Erklärungen und dem begutachten diverser Möbelstücken wurde ich zum Tee eingeladen und wir skizzierten, was ich brauchte. Tage später war ich wieder vor Ort und wollte wissen wie es meinem Möbelstück erging, -es existierte noch nicht. Darauf wurde ein Tee getrunken... und es folgte ein spätes, geteiltes Frühstück (Ftour) auf dem Boden der Schreinerei, dazu angeregte Diskussionen mit dem Schreiner. Ein anderer Kunde kam dazu und diskutierte mit. Es stellte sich heraus dass er ein Italiener mit einer Deutschen Frau war und sie gerade frisch nach Marrakesh gezogen waren. Er lud mich ein, zu ihnen ins Riad zu kommen um seiner Frau ein bisschen Gesellschaft zu leisten. Also ging es nach drei Stunden im Schreinergeschäft mit einem Unbekannten in sein Riad, um seine Frau kennen zu lernen. Fünf Stunden nach Aufbruch zum Schreiner, war ich wieder auf dem Nachhauseweg, das Möbel dass ich wollte hatte ich nicht bekommen, aber ich hatte ein toller Tag erlebt.
Und ich ging mit vollem Herzen und um drei neue Freundschaften reicher nach Hause.
Freude verschenken
Ich war auf einem Abendspaziergang im Quartier und kam an ein paar Topfpflanzen mit abgebrochenen Zweigen vorbei. Ich las die Zweige auf und wollte sie als Stecklinge mitnehmen. Ein Mann beobachtete mich und sprach mich auf Darija (Marokkanisch Arabisch) an. Ich verstand kein Wort und war mir nicht sicher, ob er mit meiner Tat einverstanden war. Nach dem ich ihn auf französisch gefragt habe, ob das seine Planzen sind (was er bejahte), pflückte er weitere Zweige direkt aus dem Topf und drückte sie mir in die Hand. Einige Minuten später war ich mit einem Strauss Zweige und einem riesen Lächeln im Gesicht auf dem nach Hause weg.
Geteilt wird immer
Frühmorgens am Jemaa el Fna, auf der Suche nach meinem Lieblingskaffemann. Dieser schenkt feuerheissen, stark gewürzter und sehr süssen Kaffe aus seiner Blechkanne aus. Für einen Dirham (10 Rp.), kriegt man einen Schluck des Paradies im Espressobecher. Ich liebe es!
Als ich den Mann mit Blechkanne gefunden hatte, sass neben ihm ein blinder Bettler, der soeben seinen Kaffe geschenkt bekommen hatte. Kurz danach bekam er vom Süssikeitenverkäufer noch eine Packung Biskuits dazu. Ich bestellte einen Kaffe und drückte dem fragenden Blinden einen Dirham in die Hände und wartete auf den Kaffe. Als ich den heissen Becher erhielt, zog der Blinde zwei Biskuits hervor und gab sie mir. So stand ich da, mit heissem Kaffe, Biskuits und einem erfreuten Herz dazu.
In Marokko wird IMMER geteilt, egal wie wenig man hat!
Dies gibt mir doch des öfteren zu denken, wenn ich an das reiche, aber egoistische Europa denke.